Nächster Halt: Barrierefreiheit!

Großes Interesse am Forschungsprojekt

Das Projekt OPENER next stellt eine Lösung dar zur deutschlandweiten Erfassung, Pflege und offenen Bereitstellung von Daten zu Barrieren im Bereich von Haltestellen im Öffentlichen Personenverkehr. In der letzten XTRA MILE hatten wir bereits darüber berichtet. Auf Anregung der Projektpartner hat Dr. Heike Twele, Projektleiterin bei Hacon, OPENER next am 10. Juni in Berlin auf der re:publica vorgestellt.

 

Heike, nur ganz kurz: Wie kam es zu diesem Projekt?

Das Vorhaben der Bundesrepublik, Barrierefreiheit im ÖPV bis 2022 zu schaffen, bildet einen Ausgangspunkt für das Projekt OPENER next. Die TU Chemnitz hatte die Idee, eine Open-Source-Anwendung zu entwickeln, mit der  engagierte Bürgerinnen und Bürger Barrieren in OpenStreetMap erfassen und damit langfristig die Attraktivität des ÖPV und die Lebensqualität aller erhöhen kann. Dabei stützt sie sich auf das DELFI-Handbuch zur Barrierefreiheit, damit die erhobenen Daten in den Auskunftssystemen nutzbar sind.
Als Hacon kommen wir ins Spiel, wenn die Erfassung der Barrieren bereits erfolgt ist. Die vorgelagerten Prozessschritte haben primär mit der Datenaufnahme und Visualisierung zu tun. Sobald es um die Nutzung der erfassten Daten für die Auskunft zu barrierefreien Reiseketten bis zur detaillierten Abbildung der Umsteigewege geht, ist unsere Expertise gefragt.

Wo liegt die besondere Herausforderung?

Die große Herausforderung für Verkehrsunternehmen und -verbünde, korrekte und aktuelle Daten für eine enorme Anzahl von Haltestellen flächendeckend zur Verfügung zu stellen, kann mit dem Crowd-Sourcing-Ansatz des Projekts angegangen werden. Die Open-Source-Anwendung mit Einbindung in OpenStreetMap (OSM) ist einfach zu bedienen, und wir hoffen auf eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Von den Herausforderungen für uns – also für die Softwareerstellung mit allen Schnittstellen und Standardisierungen – merken die User nichts. Wir arbeiten hier eng mit den Projektpartnern zusammen.


Wie interessiert war denn das Publikum auf der Veranstaltung an diesem Projekt?

Sehr. Die Zuhörenden vor Ort zeigten ein ernsthaftes und lebhaftes Interesse an diesem Thema. Qualifizierte Nachfragen - etwa zur Aktualisierbarkeit der Daten der App oder zum Thema Datenschutz - bestätigten nicht nur die große Relevanz der geplanten Maßnahmen, sondern auch, wie sensibel die Besucher für die komplexen Prozesse dieses Projekts sind.

Wie siehst Du die Zukunft für Barrierefreiheit im ÖPV?

Nach den Stimmen des re:publica-Auditoriums sollte aus dem Forschungsprojekt eine dauerhafte Lösung werden – zum Nutzen ÖPV-Reisender mit und ohne Mobilitätseinschränkung. Die  erfassten Daten sind auch für die Infrastrukturplanung einsetzbar.
Inzwischen hat die TU Chemnitz eine erste Version der Erfassungs-App für Android veröffentlicht, die im Projekt kontinuierlich weiterentwickelt wird. Für den Pilotbetrieb sind der Hauptbahnhof Magdeburg sowie die Haltestellen im Bereich des Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt und in Chemnitz vorgesehen. Wenn die Wegenetze in den Haltestellen erfasst werden, können wir in HAFAS die Umsteigewege für verschiedene Nutzergruppen detailliert darstellen. Auch eine spätere Erweiterung um Tarif- und Echtzeitinformationen ist möglich. Außerdem sollen zusätzliche Eingabefunktionen, etwa für Öffnungszeiten, ergänzt werden.
Wird dieses Projekt flächendeckend umgesetzt, sehe ich ein hohes Potenzial, um Reisehemmnisse abzubauen, Integration zu fördern und den Mobilitätswandel zu unterstützen.